25 – Führen mit Vision

25 – Führen mit Vision

Führen mit Vision

Wie sie als neue Führungskraft Widerstände auflösen.

Stellen Sie sich vor, die Führungsebene Ihres Unternehmens wird zu großen Teilen ausgetauscht. Da kommen schnell Gedanken daran auf, dass die abgelöste Führungsmannschaft nicht das richtige getan haben könnte. Und es stellt sich die Frage, wohin die Reise jetzt wohl gehen könnte. So erlebt mit einer Gruppe in einer Führungskräfteentwicklung. Die Wahrnehmung der Teilnehmer war, dass ihr Mitwirken im Sinne der Kultur nicht mehr gewünscht war. Daraus schlossen sie, dass die alte Vision nicht mehr gilt, eine neue war nicht in Sicht. Unzufriedenheit war die Folge.

Was ist mit Vision gemeint? Wir verstehen darunter ein positives Bild der Zukunft, mit dem Orientierung geschaffen wird. Sie dient einer allgemeinen Richtungsbestimmung, und stellt ein abstraktes Bild des angestrebten Erfolgs und des Zusammenwirkens der Kräfte dar. Viele Teams arbeiten aber leider ohne Vision. Nicht, weil es keine gibt, sondern weil sie von den Führungskräften nicht klar kommuniziert wird, wie auch in meinem erlebten Beispiel.

Eine Vision sollte zudem auch Motivation stiften, und sie kann Mitarbeitern dabei helfen, sich mit der eigenen Rolle besser zu identifizieren. Sie hält uns vor Augen, welchen Beitrag wir für unser Team oder unser Unternehmen leisten, ganz gleich auf welcher Ebene.

Es geht also nicht nur um Unternehmensvisionen, sondern auch darum, wie Teams sich die Zusammenarbeit vorstellen, um ein erfolgreiches Team zu bleiben oder zu werden. Durch falsche oder fehlende Kommunikation über Visionen kann es in der Zusammenarbeit schnell dazu kommen, dass die Teammitglieder den Fokus, warum sie ihre Arbeit verrichten (sollen), verlieren, und somit ihre Position und auch ihre eigene Identifikation in Frage stellen.

Visionen sind langfristig angelegt und dienen als Grundlage für die Entwicklung von Strategien, wie diese positive Zukunft zu erreichen ist. Aus der Strategie werden die kurzfristigeren Ziele entwickelt, für die Budget aufgestellt und genehmigt werden. Ziele und Budgets können auch ohne Vision entwickelt werden. Aber dann ist nicht sicher gestellt, dass die Bemühungen aller Kräfte, Initiativen, Projekte einer gemeinsamen Vorstellung dienen. In der Folge besteht die Gefahr, dass Motivation und Engagement verloren geht und Mitarbeiter im schlimmsten Fall in die innere oder tatsächliche Kündigung gehen.

Kriterien für eine wirksame Vision

Damit eine Vision tatsächlich effektiv ist, muss sie nach John P. Kotter 6 Kriterien erfüllen:

  1. Vorstellbar – d.h. gut verständlich und nachvollziehbar. Wenn dies nicht erfüllt ist, ist mit Ablehnung oder wenigstens Gleichgültigkeit im Team zu rechnen. Vermeiden Sie also komplizierte und theoretische Ausdrucksweisen. Fassen Sie sie in einfache Sprache. Verbinden Sie sie mit einer Visualisierung. Denn ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1.000 Worte und prägt sich besser ein. Damit ist das Team besser auf die gemeinsame Richtung fokussiert.
  2. Erstrebenswert -und zwar für das eigene Team, für Kunden und alle Arten von Stakeholdern des eigenen Unternehmens. Sie sollte eine gute Antwort darauf geben, was der Beitrag zu einem nachhaltigen Nutzen ist, den die so angesprochenen leisten sollen und dürfen. Eine erstrebenswerte Vorstellung stiftet Motivation von innen und von außen und vermeidet oder beseitigt Ängste und Unsicherheiten.
  3. Machbar – Die Vorstellung der Vision darf nicht zur Diskussion führen, wie realistisch umsetzbar sie ist. Ähnlich wie bei der Formulierung von Zielen kommt es auf eine gute Balance zwischen ausführbar und ambitioniert an. Sorgen Sie also bei der Gestaltung der Vision dafür, dass immer klar ist, dass und wie die Umsetzung auch möglich ist. Das gelingt leichter, wenn Sie Analogien verwenden, z.B. eine Regatta segeln, einen Berg besteigen oder ein Haus bauen. In solchen Bildern stecken viele Motive, die Machbarkeit signalisieren.
  4. Fokussiert – enthält ausreichend konkrete Aussagen, um Entscheidungen vorzubereiten und zu erleichtern. Die Richtung, in die alle an einem Strang ziehen sollen, sollte unmissverständlich ausgedrückt werden. Worum geht es im Kern?
  5. Nicht zu eng formuliert – Entscheidungsspielräume sollten eingeräumt und definiert sein. Wenn nicht jeder Schritt detailliert vorgegeben wird, bleibt ausreichend Spielraum für das Reagieren auf täglich neu auftauchende Fragestellungen, die die zunehmende Komplexität unserer Welt immer zahlreicher und schneller erzeugt.
  6. Leicht kommunizierbar – sollte innerhalb von ca 5 min darstellbar sein. Wenn dies nicht möglich erscheint, prüfen Sie Vereinfachungsmöglichkeiten, damit die Vision leichter verstanden werden kann. Vielleicht ist auch das von Ihnen verwendete Bild nicht klar oder aussagekräftig genug. Selbst große Unternehmen formulieren Visionen oft in einem Satz, der sofort klar macht, was sie erreichen wollen.

Wie arbeiten Sie als Führungskraft mit der Vision?

  • Regelmäßig wiederholen, immer wieder thematisieren, damit die darin enthaltene Orientierung Einzug in den Alltag hält und in den Fokus des Teams kommt.
  • Gemeinsam mit dem Team weiter entwickeln, um Motivation und Dynamik zu steigern.
  • Regelmäßig auf den Prüfstand stellen und ggf. an neue Anforderungen und Rahmenbedingungen anpassen, damit sie Gültigkeit und Aussagekraft beibehält.
  • Neuen Teammitgliedern vorstellen und so eine schnellere und effektivere Integration erreichen.

Um die zahlreichen Vorteile des Führens mit Vision für Ihr Team zu entdecken, stehe ich Ihnen gerne zur Seite. Melden Sie sich auf einem meiner zahlreichen Kommunikationskanäle und vereinbaren Sie eine kostenlose Erstberatung mit mir. Ich freue mich auf Sie!

24 – Wie Sie kreative Blockaden überwinden

24 – Wie Sie kreative Blockaden überwinden

Wie Sie kreative Blockaden überwinden

 

3 Ansätze für innovative Lösungsideen

 

In Seminaren treffe ich in der Regel auf verschiedene Charaktere. Da gibt es kreative Köpfe ebenso wie eher lösungsorientierten Macher oder skeptische Denker. Unterschiedliche Denkweisen ziehen verschiedene Erwartungen an unser Seminar nach sich. Unser Fokus liegt dabei darauf, sich neu zu positionieren, sich neu zu formieren oder erfolgreich in einem Change-Prozess zu erneuern. Egal, ob kreativ, lösungsorientiert oder skeptisch, jeder hat auch seine blockierenden Denkmuster. Wie Sie diese lösen können und gleichzeitig die verschiedenen Persönlichkeiten im Team so zusammenführen können, dass sie gemeinsam innovative Lösungen entwickeln können, dazu gebe ich ihnen heute 3 Lösungsansätze.

 

1. Assoziation und Kombination

 

Die landläufige Vorstellung, kreative Ideen entstünden aus dem Nichts, ist meist nicht zutreffen. Ideen entstehen viel häufiger, indem wir Bekanntes betrachten, Assoziationen bilden, die uns dazu einfallen, und neu kombinieren.

 

Die einfachste Technik dafür ist das bekannte Brainstorming – den meisten bekannt, doch oft mangelhaft umgesetzt. In der vorangegangenen Episode 23 meines Podcasts beschreibe ich, worauf Sie achten sollten und wie Sie ein Brainstorming erfolgreich durchführen. Hören Sie doch gerne mal rein.

 

Wenn kritische und skeptische Gedanken das Team beherrschen, ist wahrscheinlich die Flip-Flop-Methode die bessere Wahl. Diese startet mit einer Sammlung von negativen Assoziationen („Was können wir alles falsch machen, damit es (noch) schlimmer wird?“) und kehrt diese dann in positive Ideen um, weshalb diese Folge auch als Kopfstand-Methode bezeichnet wir. Mehr über diese Methode und wie Sie sie anwenden, finden Sie in der allerersten Episode dieses Podcasts. Auch hier hören Sie gerne noch einmal rein. 

 

Wenn Sie fürchten, dass die Gruppe zu viel oder zu wenig Diskussionsfreude an den Tag legt, ist das Brainwriting vielleicht ein guter Ansatz für Sie, z.B. nach der 6-3-5 Methode. Hierzu bilden Sie ein Team (oder mehrere) aus 6 Mitgliedern, die innerhalb von fünf Minuten mindestens 3 Ideen zu einer Fragestellung sammeln. Diese kann man in weiteren fünfminütigen Runden jeweils auf einander aufbauen lassen und miteinander kombinieren. Die Praxis zeigt, dass dieses Vorgehen in kurzer Zeit sehr produktiv ist.

 

Falls Sie Probleme organisatorischer Natur haben und ihnen nicht die Möglichkeit gegeben ist sich zu treffen, um Ideen zu sammeln, schlage ich Ihnen das Collective Notebook vor. Hierbei können Sie ein echtes Notizbuch verwenden, ebenso wie digitale Tools wie z.B. Microsofts OneNote oder Evernote. Das Notizbuch wandert dabei durch das komplette Team, so dass jeder mindestens einmal die Möglichkeit bekommt,  die eigenen  Ideen in diesem Notizbuch zu hinterlegen. Von Person zu Person wächst die Anzahl der Ideen und das Potential, neue Assoziationen zu bilden und mit den vorhandenen Ideen zu kombinieren.

 

Von den alten Griechen wissen wir, dass Bewegung und Kreativität Hand in Hand gehen. Daher ist auch Brainwalking ein hilfreicher Ansatz. Dazu werden geeignete Medien zum Notieren von Ideen als Stationen eines Parcours aufgebaut, den das kreative Team Station für Station abgeht, und Ideen ähnlich wie im Brainstorming gesammelt. Die Dynamik aus der Bewegung setzt in der Regel eine höhere Energie frei, als wenn Gruppen sich zusammen setzen.

 

2. Analogie

 

Um komplexere Lösungsansätze zu entwickeln, setzen Sie auf die Kraft der Analogie. Die besten Vorlagen dazu liefert uns oft die Natur. Denken Sie nur an die Stromlinienform von Haien, die der Karosserie von Sportwagen als Vorlage dient. Hierbei hilft es sehr, nicht im selben Themengebiet nach Lösungen zu suchen, sondern möglichst fachfremde Szenarien zu bilden, die nicht im direkten Zusammenhang mit der Problemwelt stehen. Das fördert „Querdenken“. Wir nehmen andere Perspektiven ein und lassen uns nicht vom Problembewusstsein unserer Situation beschränken. Wie finden wir Analogie? Falls Sie keine spontanen Ideen haben, machen Sie sich auf die Suche nach Bildern, die aus einem fachfremden Zusammenhang stammen und sammeln Sie dazu Assoziationen. Die so entstehende Themenwelt nutzen Sie, um Ideen für Ihre Lage abzuleiten. Falls sie kein visueller Typ sind, können Sie über Sprache arbeiten, indem Sie ein Hauptwort als Quelle für Assoziationen wählen. Vermeiden Sie in beiden Varianten die Wahl von Bildern oder Begriffen, die in engem Zusammenhang mit Ihrer Problemwelt stehen. Sonst bleiben Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit in Ihren kreativen Blockaden stecken.

 

3. Analytisch -systematische Methoden

 

Um Teams in eine produktive Kreativität zu leiten, gibt es auch zahlreiche prozessorientierte Methoden, die unterschiedliche Ansätze für verschiedene Zielgruppen bieten. Das trägt den unterschiedlichsten Teamdynamiken Rechnung, die in der Praxis auftreten und die vorgenannten Ansätze behindern können.

 

Der Morphologische Kasten z.B. arbeitet ähnlich den bekannten Fahrzeugkonfiguratoren der Autohersteller. Ihr Thema wird tabellarisch in verschiedene Kategorien (Zeilen) zerlegt, für die Sie  verschiedene Variationen (Spalten) entwickeln und Impulse sammeln. Dieses sehr analytische Verfahren kombiniert am Ende die besten Variationen je Kategorie zu einer neuen Lösung.

 

Die Osborne Checkliste bedient sich dagegen einer systematischen Fragetechnik. Auf welche Art kann eine Veränderung angegangen werden? Um das herauszufinden, wird ein Fragen Katalog mit standardisierten Fragen angelegt und durchgegangen. Zum Beispiel: Wie kann ich eine Sache vergrößern, verkleinern, umkehren/ vergleichbar mit anderen Dingen einsetzen?

 

Während diese Methoden voraussetzen, dass sie bisher schon etwas haben, an dem Sie etwas verändern wollen, setzen andere Methoden auf die Schaffung völlig neuer Ergebnisse. Sehr bekannt ist die nach Walt Disney benannte Methode. Diese arbeitet mit drei Rollenperspektiven, die in einem sich wiederholenden Prozess so lange durchlaufen werden bis ein ausgereiftes Ergebnis erreicht wird: dem Träumer, der völlig frei eine Idealvorstellung entwickelt, der Realisierer, der definiert, wie diese Vorstellung umgesetzt werden kann und welche Ressourcen und Maßnahmen es dafür braucht, und den Kritiker, der Lücken, Schwachstellen und Risiken aufzeigt, damit die beiden anderen Rollen in den folgenden Durchläufen den Ansatz verbessern.

 

Auch die 6 Denkhüte nach Edward de Bono stellen ein solches Vorgehen dar, in dem die systematische Einnahme sechs unterschiedlicher und z.T. sehr gegensätzlicher Perspektiven eine ganzheitliche Betrachtung sicher stellt. Dieses Verfahren beinhaltet die Analyse von Situationen und kann mit Assoziations- und Analogiemethoden kombiniert werden. Es eignet sich somit auch als Lessons Learnt-Methode.

 

Und falls all diese Methoden sie nicht weiterführen sollten, dann probieren Sie es doch einmal damit, jemanden, der mit ihrem Themengebiet nichts zu tun hat, dazu zu befragen. Am besten jemanden Fachfremdes, der mit Ihrer Problemwelt gar nichts zu tun hat. So nutzen Sie das größtmögliche Querdenkerpotenzial.

 

Ich hoffe, Ihnen macht dieser Einblick in die Welt der Kreativitätstechniken Lust auf mehr. Nutzen Sie meine Kontaktdaten und vereinbaren Sie ein kostenloses Beratungsgespräch, wie Sie konkret die kreativen Blockaden in Ihrem Team überwinden und zu innovativen Lösungsansätzen kommen können. Die genannten Ansätze und viele weitere Techniken finden sie auch in folgenden Büchern:

Jiri Scherer – Kreativitätstechniken

Michael Luther – Das große Handbuch der Kreativitätstechniken

Claudia Bayerl – 30 Minuten für Kreativitätstechniken

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