23 – Brainstorming – aber richtig!

23 – Brainstorming – aber richtig!

Brainstorming -aber richtig

 

Brainstorming – ein durchaus bekannter Begriff in unserem Sprachgebrauch. Wir Trainer differenzieren allerdings zwischen der Bedeutung, die wohl die meisten Menschen diesem Wörtchen zu ordnen, und der Kreativtechnik, die wir in Seminaren häufig anwenden. Der Unterschied? Wenn Sie Brainstorming betreiben, kann ich mir gut vorstellen, dass dieser Prozess auch wieder recht schnell sein Ende findet. Woher ich das weiß? Es gibt 5 klassische Fehler beim Brainstorming, ohne deren Aufklärung uns allen schnell die Lust daran vergeht. Sie blockieren den gesamten Prozess, wenn sie ihn nicht sogar komplett ausbremsen. Das heißt: unser Brainstorming ist effektiv, und so, wie Sie es vorher betrieben haben, war es ohnehin zum Scheitern verurteilt. Wie auch Sie richtiges Brainstorming erlernen können, und welche 5 Fehler Sie dabei unbedingt vermeiden sollten, möchte ich Ihnen heute erklären.

Kritik und Diskussionen nicht zulassen

Ich habe kürzlich in einem Führungskräfteseminar, wo es um das Thema „Entscheidungsvorbereitung und Finden von kreativen Lösungen“ ging, Brainstorming als Kreativitätstechnik angewandt, und zwar zur Beantwortung der Frage „Was können wir tun, um die Mitarbeiterbindung zu erhöhen?“
Der erste Gedanke, den man hat, ist „höhere Gehälter zahlen“. Und jetzt werden Sie wohl selbst gerade merken, wie Sie automatisch anfingen sich eine Meinung zu diesem Vorschlag zu bilden. Vielleicht, weil auch Sie sich über ein höheres Gehalt freuen würden, oder weil Sie selbst Führungskraft sind, und dem Ganzen eher kritisch gegenüberstehen. Achtung! Der erste Fehler beim Brainstorming lautet: bitte keine Ideen Werten! Natürlich ist es menschlich, sich eine Meinung zu bilden. Doch das Werten einer Idee im Brainstorming ist absolut fehl am Platz. Wir befinden uns in einem Prozess des Ideensammelns. Wir wollen so viele Ideen und kreatives Material wie möglich sammeln. Je mehr Ideen, desto mehr Lösungsansätze, und umso mehr Perspektiven. Das ist Priorität. Wie sinnvoll oder realistisch der ein oder andere Gedanke ist, spielt erst einmal keine Rolle.

An dieser Stelle habe ich zusätzlich noch einen Tipp für Sie, denn erfahrungsgemäß ist es leichter sich als Team an diese Regeln zu halten, wenn man diese vorab noch mal klar formuliert, vielleicht auch gemeinsam sammelt und schriftlich festhält, und wenn man einen Moderator bestimmt, der für die Einhaltung der Regeln sorgt, und bei Regelverletzung darauf aufmerksam macht.

 

Chaotische Abläufe vermeiden

Der ein oder andere steht dem Thema Brainstorming eher kritisch gegenüber. Warum? Oft wird der Begriff mit Chaos assoziiert, Strukturlosigkeit, oder man hat vielleicht sogar das Gefühl, dass dabei kein roter Faden verfolgt wird. Somit steigen die Zweifel daran, dass dieser Prozess überhaupt produktiv enden wird, und weg ist die Motivation zum Brainstormen. Auch hier kann ich Ihnen wieder ans Herz legen einen Moderator zu bestimmen, der nämlich vermeiden soll, dass Chaos entsteht. Die Verantwortung des Moderators ist es stetig den Prozess zu beobachten, und auch dem Team zu spiegeln, wenn es scheint vom Pfad abzuweichen oder in Richtung Chaos geht, und diese Beobachtung zu spiegeln und offen anzusprechen.

Was außerdem zur Vermeidung helfen kann, sind vorher mit den Regeln auch die Rahmenbedingungen fest zu legen, zum Beispiel wie lange die Brainstormingsession gehen wird, oder ob und wer den Prozess dokumentiert, parallel zu den persönlichen Ideensammlungen.

Die richtige Teamkonstellation

Verschieden Augen sehen verschiedene Dinge. Sorgen Sie für ein eher bunt gemischte Gruppe. Bringen Sie Angestellte aus verschiedenen Bereichen Ihres Betriebes zusammen. Wenn alle Teilnehmer des Brainstormingteams aus derselben Abteilung kommen, oder denselben Hintergrund haben, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Ergebnisse recht identisch ausfallen. Nehmen Sie jemanden mit auf, der vielleicht nicht all zu viel mit dem Themengebiet zu tun hat. Wir brauchen eine Dynamik, die uns auch mal ausbrechen lässt aus alten Mustern, denn wenn wir sowieso im Alltag ein bestimmtes Problemfeld haben, wird dies nicht begünstigt. Wir haben einen viel besseren Rundumblick über das was tatsächlich zählt. Ein Beispielsatz dazu ist: „Alle sagten es geht nicht, bis einer kam, der das nicht wusste und es einfach machte.“

Gruppendynamik berücksichtigen

Konflikte, egal, ob zwischen zwei Kollegen, oder Bereichen, Abteilungen, vorher unbedingt beseitigen. Diese haben ihre Auswirkung auf den gesamten Prozess, und das wollen wir natürlich so weit es geht vermeiden, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen. Nicht gelöste Konflikte erzeugen großes Diskussionspotential, was allerdings eher weniger produktiv ausfallen wird, weil es eigentlich um den Konflikt der Fronten geht, und nicht um das eigentliche wichtige Thema, nämlich Brainstorming.

Eine weitere Hürde für eine gute Gruppendynamik ist ein hohes Hierachiegefälle. Je nach Unternehmenskultur, kann es natürlich passieren, dass die Ideen der Führungskräfte mehr gewichtet werden, als die des Azubis zum Beispiel. Falls dies der Fall ist, sollte vorher darüber klar kommuniziert werden, wie die Hierarchie aussieht, und ob, und wenn ja, welche Rolle das im Prozess spielt. Resultat davon sollte jedoch bitte nicht sein, dass die Ideen des Teams erst von der Führungskraft abgesegnet werden. Diese würde in diesem Zuge nämlich die Ideen werten, und somit würden wir Fehler Nr. 1 begehn.

Auch hier ist es wieder die Aufgabe des Moderators dafür zu sorgen, dass die Vereinbarung eingehalten wird, und falls nicht, dies zu spiegeln und offen zu thematisieren.

 

Orientierung schaffen durch das Formulieren einer Kernfrage

Dies vermeidet, dass man vom eigentlichen Thema abschweift. Auch hier ist es wieder Aufgabe der Moderation dies im Auge zu halten.

 

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Oliver Beyer

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